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Der Zusammenbruch eines Lebensversicherers

Was Versicherungsgesellschaften anbelangt, so gibt es dazu Erfahrungswerte aus der jüngsten Vergangenheit: Im Jahre 2000 gingen in Japan mehrere große Gesellschaften in Konkurs.

Alle Anleger von Kapital-Lebensversicherungen haben ihr Erspartes verloren.

Bei den Banken gibt es zwar einen so genannten Einlagensicherungsfonds, aber bei einem Zusammenbruch einer Großbank würde auch dieser Fonds die Anleger nicht mehr schützen können. 

Ein Beispiel:

Mannheimer Leben: Der erste Zusammenbruch eines Lebensversicherers in der Nachkriegszeit

Versicherer stellen Protektor in Frage!

Ende Juni hatte die Mannheimer Leben nach massiven Finanzproblemen angekündigt, sie werde keine neuen Verträge mit Kunden mehr abschließen. Der Lebensversicherer hatte sich finanziell übernommen. Damit trat die eigens für solche Zwecke von der Versicherungswirtschaft gegründete Auffanggesellschaft Protektor erstmals in Aktion. Sie übernahm die 344.000 Altverträge.

Versicherer unzufrieden mit Abwicklung!

Nun erwägen einige Versicherer dem "Handelsblatt" zufolge, aus dem Projekt wieder auszusteigen. Sie fühlten sich über das Rettungskonzept getäuscht. Protektor habe lediglich die Ansprüche der Kunden des in Not geratenen Lebensversicherers sichern sollen, nun kämen noch Pensionsverpflichtungen, Vermittlerprovisionen und das Personal hinzu, zitiert das Blatt die Kritiker. Damit werde das Projekt teurer als erwartet. Zudem verhindere Protektor eine längst fällige Marktbereinigung, heißt es weiter.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hält das Argument für nicht gerechtfertigt. Schließlich übernehme Protektor nur die alten Verträge der Kunden, sagte GDV-Sprecher Michael Gaedicke. Diesem Konzept hätten alle 103 an dem Projekt beteiligten Lebensversicherer zugestimmt.

Kosten: 340 Millionen Euro.
Die Auffanglösung für die Mannheimer wird die Versicherungswirtschaft nach Schätzungen des Protektor-Vorstandchefs Jose Ferrer maximal 340 Millionen Euro kosten. Einen kleineren Teil der für die Sanierung der Policen-Bestände nötigen Finanzmittel von 350 bis 370 Millionen Euro könnte Protektor möglicherweise auch aus den übernommenen Mannheimer-Aktiva selbst beisteuern.

An Protektor sind alle 103 Lebensversicherer in Deutschland entsprechend ihrem Marktanteil beteiligt. Sie müssten zusammen theoretisch für bis zu 5,2 Milliarden Euro gerade stehen. Für den Ausgleich der auf 215 bis 230 Millionen Euro geschätzten stillen Lasten der Mannheimer Leben müsste eigentlich noch deren Mutterkonzern Mannheimer AG Holding aufkommen. Um diese vor der Insolvenz zu bewahren, erhält sie ein Darlehen in gleicher Höhe, das sie aber aus künftigen Gewinnen abstottern muss.
(Quelle: BdV)

Mannheimer: Ein Fall für Protektor

Die rund 345.000 bestehenden Policen der angeschlagenen Mannheimer Lebensversicherung AG werden so schnell wie möglich auf die Auffanggesellschaft Protektor übertragen. „Die Übertragung der Versicherungsbestandes auf Protektor wird unverzüglich vorbereitet", teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin), Bonn, im Anschluss an ein Treffen mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin, mit. Es sei allerdings eine Sache von Wochen oder Monaten, bis die Bestände der Mannheimer Leben auf Protektor übergehen, erläuterte eine BAFin Sprecherin

BAFin und GDV betonten, die Verträge der Lebensversicherungsnehmer seien nicht gefährdet, Kunden der Mannheimer Leben hätten keine Nachteile zu befürchten. „Protektor ist ein von der BAFin zugelassenes, von der gesamten Branche getragenes Lebensversicherungsunternehmen, das über Finanzmittel von über fünf Milliarden Euro verfügen kann", heißt es in der BAFin Erklärung. Der GDV bestätigt gegenüber cash-online, Protektor sei in der Lage, die Verträge der Versicherer fortzuführen. „Sämtliche Lebensversicherungsgesellschaften haben die notwendige Verpflichtungserklärung unterschrieben. Hinter Protektor steht damit die gesamte Versicherungswirtschaft“, sagte Gabriele Hoffmann, Sprecherin des GDV.

Damit könne die Gesellschaft ihre Arbeit aufnehmen. Meldungen, Protektor sei noch nicht ins Berliner Handelsregister eingetragen und könne damit gar nicht aktiv werden sowie nicht über die notwendigen Finanzmittel verfügen, entbehren laut Hoffmann jeder Grundlage. „Protektor ist im Handelsregister in München eingetragen“, stellte die GDV-Sprecherin gegenüber cash-online klar. Der Eintrag ins Berliner Handelsregister laufe derzeit.

Dagegen hält Dr. Marco Metzler, Versicherungsanalyst bei Fitch-Ratings, London, die Finanzierung der Protektor Lebensversicherung bei einer maximalen Einschusspflicht von 5,2 Milliarden Euro, für mehr als fraglich. Grund: Die gesamte Lebensversicherungsbranche verfügt lediglich über rund 6,5 Milliarden Euro an Kapital der Aktionäre und Anteilseigner. Daher muss laut Metzler aufgrund der geringen Eigenkapitalausstattung deutscher Lebensversicherer, die im Ernstfall ein Prozent ihres Anlagekapitals nachschießen müssen, die Frage gestellt werden, ob die Nachschüsse zeitnah und im vollen Umfang geleistet werden können. Eventuell sei damit zu rechnen, dass eine Einschusspflicht in die Protektor AG weitere Versicherer selbst zu Protektorfällen mache. Werde jedoch eine Finanzierung mit Kundengeldern angestrebt, so seien die Nachschussverpflichtungen kein Finanzierungsproblem. „Der Einsatz von Kundengeldern zur Rettung notleidender Versicherer ist höchst zweifelhaft und sehr umstritten“, gibt Metzler jedoch zu bedenken.

Die Mittel zum Auffangen der relativ kleinen Mannheimer Leben können laut Metzler zum jetzigen Zeitpunkt noch aus den freien Eigenmitteln der Versicherer bestritten werden. „Daher wird der Protektor theoretisch im Fall Mannheimer finanzierbar sein. Sollten jedoch weitere Versicherer zu Protektor-Fällen werden, könnte es kritisch werden. Da weitere Protektorfälle generell nicht ausgeschlossen werden können, sollte zum jetzigen Zeitpunkt bereits über alternative Finanzierungsmodelle nachgedacht werden“, sagt der Experte.

Hintergrund: Die Mannheimer Leben hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und benötigt rund 370 Millionen Euro frisches Eigenkapital. Der Mannheimer-Konzern hatte 2002 einen Verlust von 50 Millionen Euro verbucht. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug das Minus knapp 64 Millionen Euro, wovon 57 Millionen auf die Lebensversicherung entfielen. GDV und BaFin wollten den Imageschaden für das Produkt Lebensversicherung begrenzen und hatten bis zuletzt auf eine freiwillige Branchenlösung außerhalb von Protektor gedrungen.

Auslöser für den endgültigen Kollaps der Mannheimer war die Weigerung einiger Versicherer, der finanziell stark angeschlagenen Mannheimer Holding AG unter die Arme zu greifen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Berlin, konnte sich nicht auf einen Rettungsplan einigen und die dafür erforderliche Unterstützung von 90 Prozent seiner Mitglieder – in Marktanteilen gemessen – gewinnen.

Dem Vernehmen nach verweigerten insbesondere die Axa, Barmenia, Basler, Berlinsche Leben, Concordia, Deutscher Ring, Helvetia, Interrisk, Sekurvitas, Stuttgarter Leben, Swiss Life, Zürich Leben und Deutscher Herold dem Rettungskonzept ihre Zustimmung.
(Quelle: BdV)

Der Anfang vom Ende?

Medieninformation 02. März 2004

Staatsanwalt ermittelt gegen Protektor Lebensversicherung wegen Darlehensverzicht

Die Staatsanwaltschaft Berlin - Wirtschaftsstrafsachen - ermittelt gegen die Protektor AG wegen des Vorwurfs der Untreue im besonders schweren Fall. Die Ende 2002 gegründete Auffanggesellschaft für gestrauchelte Lebensversicherer „Protektor“ hatte den Lebensversicherungsbestand der Mannheimer Lebensversicherung zum 1.10.2003 übernommen. Gleichzeitig gingen auch alle Forderungen der Mannheimer Lebensversicherung gegen deren Konzernmutter, die Mannheimer Holding, auf die Protektor AG über. Die Protektor AG erwarb damit Ansprüche gegenüber der Mannheimer Holding in Höhe von fast 200 Millionen Euro. Gleichzeitig gewährte die Protektor AG der Mannheimer Holding ein Darlehen in gleicher Höhe.

Wie nun bekannt wurde, verzichtete die Protektor AG Ende 2003 zum größten Teil ersatzlos auf die Rückzahlung des Darlehens. Das fast 200 Millionen Euro umfassende Darlehen wurde von der Mannheimer Holding mit nur 25 Millionen abgelöst. Um die strafrechtliche Relevanz dieses ersatzlosen Darlehensverzichts klären zu lassen, erstattete der Bund der Versicherten Anzeige.

Durch den Verzicht auf Rückzahlung der übrigen Darlehensforderung besteht der Verdacht, dass Interessen der bei der Protektor AG Versicherten, vormals Versicherte bei der Mannheimer Leben, verletzt wurden. Da die Versicherungsunternehmen treuhänderisch mit dem Geld der Versicherten umzugehen haben, darf nicht einfach auf Einnahmen verzichtet werden. Die Lebensversicherungsunternehmen sind verpflichtet, die Versicherten auch an sonst möglichen Kostenüberschüssen angemessen zu beteiligen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Versicherten aufgrund des weitgehenden Darlehensverzichts nun erst später und dann womöglich auch eine geringere Überschussbeteiligung erhalten, soweit überhaupt eine solche ausgewiesen wird.

Die Staatsanwaltschaft Berlin, Dezernat Wirtschaftsstrafsachen, hält einen Anfangsverdacht für gegeben und hat daher ein Ermittlungsverfahren gegen die Protektor-Vorstände eröffnet.
(Quelle: BdV, 02.03.2004)

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