Auszug:
Berliner Zeitung
(Interview
mit Frank Braun, Geschäftsführer beim BdV. Die Fragen stellte Ruprecht
Hammerschmidt.
.
"Lebensversicherungen
rechnen ihr Produkt schön"
Herr
Braun, die Lage von Versicherungen wird immer schwieriger. Einige stehen
offenbar bereits vor der Pleite. Müssen Versicherte um ihre
Altersvorsorge fürchten?
Nein,
denn Geld und Zinsen sind konkurssicher angelegt. Das gilt aber nur für
den Anteil, der in den Spartopf geflossen ist. Dies ist meist weniger als
die gezahlte Summe. In den ersten Jahren zahlt der Kunde mit seinen Beiträgen
nämlich nur die Kosten der Versicherung.
Gehen
Verbraucher ein Risiko ein, wenn sie jetzt noch eine Lebensversicherung
abschließen?
Wir
haben schon vorher vom Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung
abgeraten. Dieses Produkt bringt für die Kunden eine sehr schlechte
Rendite, was von den Anbietern verschleiert wird. Wenn jetzt die
Finanzausstattung einiger Unternehmen ins Wanken gerät, gilt diese Einschätzung
erst Recht.
Viele
Verbraucher wollen aber sowohl für ihre Altersvorsorge sparen als auch
ihre Familie abgesichert wissen, falls sie sterben.
Es
ist aber besser, beides in getrennten Verträgen abzuschließen. Wer seine
Familie absichern will, sollte eine Risikolebensversicherung wählen. Für
die Altersvorsorge sollten andere, weniger nachteilige Produkte mit einer
höheren Rendite genommen werden.
Versicherer
garantieren derzeit eine Verzinsung von 3,25 Prozent plus Überschussbeteiligung.
Das hört sich nicht schlecht an.
Die
Versicherer rechnen ihren Kunden das Produkt schön. Auf eine Überschussbeteiligung
kann er sich nicht verlassen. Ab 2004 wird auch der Garantiezins für
Neuverträge auf 2,75 Prozent gesenkt. Aber das ist in Wahrheit zu hoch
angesetzt. Tatsächlich beträgt die Verzinsung des Kapitals dann nur noch
etwa 1,5 Prozent.
Wie
kommen Sie auf diese Zahl?
Von
dem Geld der Versicherten werden nur etwa 75 Prozent verzinst, nur dieser
Teil kommt in den rechnerischen Spartopf. Denn mit einem Teil der
Einzahlungen werden die Kosten der Versicherung beglichen. Ein anderer
Teil wird für die Risikoabsicherung abgezogen. Der Garantiezins wird nur
auf den Sparanteil ausgeschüttet, was rund 1,5 Prozent effektive
Jahresrendite ergibt.
Verbraucher
sind verunsichert durch die Diskussion um eine Aufhebung des
Steuerprivilegs für Lebensversicherungen. Viele überlegen, noch schnell
einen Vertrag nach der alten Regelung abzuschließen .
.
was die Versicherer ihnen einreden wollen. Egal ob mit oder ohne
Steuervorteil ist die Lebensversicherung keine lohnende Geldanlage. Dazu
kommt der weitere Nachteil, dass der Kunde hohe Verluste macht, wenn er über
das angelegte Geld vorzeitig verfügen will.
Dies
wird aber von Gerichten verlangt, wenn ein Versicherungskunde
Arbeitslosen- oder Sozialhilfe beantragt. Zwingen also die Richter
Betroffene dazu, Verlust zu machen?
Im
Prinzip ja: Jeder, der seine Police vorzeitig auflöst, wird Geld
verlieren, weil das Sparkonto des Kunden zu Anfang leer bleibt. Erst wenn
dem Kunden keine Verluste mehr entstehen, können sie meiner Einschätzung
nach gezwungen werden, den Vertrag zu verwerten.